
Altes Angebot - neue Nachfrage?
13.06.12Die Wirtschaftswissenschaften stehen aktuell in der Kritik. Studierende, als angehende Wissenschaftler, stellen sich die Frage, in welche Richtung sich die Forschung und Lehre an den Universitäten entwickeln sollte. Sind die Modelle veraltet und die Methoden zu quantitativ oder brauchen wir ein Umdenken „Back to the Roots“?
Der Raum 125 der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlinplatzte am Abend des 5. Juni aus allen Nähten. Anlass war eine Diskussionsveranstaltung mit Petra Pinzler, Wirtschaftsjournalistin von „Die Zeit“ und unserem Dekan Prof. Ulrich Kamecke, veranstaltet durch die hiesige Studierendengruppe NET IMPACT.
Die Krise der Ökonomie ist laut Frau Pinzler die Chance der jungen Wirtschaftswissenschaftler. Der Mainstream reicht nämlich nicht aus, als Grundlage der Wirtschaftspolitik, es bedarf neuer Ideen. Das Denken der Ökonomen sollte so pluralistisch sein, wie die Gesellschaft selbst. Ein Richtungswechsel weg von der Mathematik in Richtung Sozialwissenschaften ist dafür notwendig. Statt sich ständig mit Formeln herumzuschlagen, sollte man, so die Journalistin, mehr Klassiker lesen. Diese erklären viel und fördern ein fächerübergreifendes Denken.
Dass Mathematik als Grundlage der Forschung und Lehre jedoch eine sehr wichtige Rolle spielt, davon ist Prof. Kamecke überzeugt. Sie lässt uns Dinge klarer sehen, die sonst diffus sind. Modelle müssen rationalitätssicher sein und dafür braucht es gute theoretische Fundierung. Dass Ökonomen im Lichte der Krise in die Kritik geraten ist für den Professor nicht weiter überraschend: „Man beschäftigt sich nun mal mit unangenehmen Dingen, man macht sich unbeliebt doch hat oft recht.“ Die Krise liegt jedoch nicht an den Modellen, es gibt durchaus Theorien die mit den jüngsten Ereignissen kompatibel sind. Dass einige Prognosen falsch waren, das mag sein, doch es wäre ungerecht, alles den Ökonomen in die Schuhe zu schieben. Ihre Funktion ist die Beratung, was die Politik daraus macht, ist eine andere Frage.
Keine Wirtschaft kann unendlich wachsen, selbst wenn dieses Wachstum immer effizienter und grüner wird, kritisiert Frau Pinzler zudem. Die Ökonomie gibt keine Antwort auf diese Endlichkeit und auf die Frage, wie eine Postwachstumsphase aussehen würde. Prof. Kamecke verweist darauf, dass sich in der Forschung durchaus jemand damit befasst, eine junge Generation von Wissenschaftlern ist im Kommen. Probleme des Wachstums werden aber heute schon behandelt. Der Klimawandel ist eines davon. Der Ökonom verweist zum Beispiel auf Kuznets Umweltkurve, die den Zusammenhang Umweltverschmutzung und Pro-Kopf-Einkommen beschreibt. Wachstum ist in dieser Hinsicht förderlich, denn sobald ein gewisser Wohlstand erreicht ist, geben Individuen mehr Geld für den Umweltschutz aus. Wichtig ist dabei nur, dass dieses richtig investiert wird!
Eine interessante Diskussion ging nach einigen spannenden Fragen von Seiten der Studierenden schließlich zu Ende. Ob die heutigen Wirtschaftsstudenten ausreichend vorbereitet ins 21. Jahrhundert gehen, bleibt offen. Weitblick und Selbstengagement ist gefragt, die Nachfrage ist da, ein breites Angebot an Theorien auch, man muss es nur wahrnehmen!


